Rott: Bertha-Hirsch-Schule feiert Fest unter dem Motto „Unsere Schule ist bunt“ / Kooperation mit der Popakademie

Spielerisch durch Experimente lernen

 Von unserem Mitarbeiter Christian Hoffmann

 


 
 
 
 
 
Mitmachaktionen beim Fest der Hirsch-Schule: Buntbemalte Treibholzkunst (l.), der Lotus-Effekt auf Kohlblättern (r.o.) und ein Rollstuhlparcours.
© hfm

Wie reagiert Wasser auf der Oberfläche eines grünen Weißkohlblattes? Wie fühlt es sich an, sich in einem Rollstuhl fortbewegen zu müssen? Diesen spannenden Fragen ging das Sommerfest der Bertha-Hirsch-Grundschule im Rott spielerisch nach. "Bei uns ist es bunt. Das bedeutet nicht nur farbenreich, sondern auch vielfältig und verschieden. Auf jeden Fall nicht langweilig", erklärte Rektorin Christine Spiegel-Dumont in ihrer Begrüßungsansprache. Das war das Motto des diesjährigen Sommerfestes: "Unsere Schule ist bunt." Zudem wurden die grafisch neu überarbeiteten Schulflaggen eingeweiht, die das Spiegel-Institut gesponsert hat.

 

Eine wertvolle Erfahrung, um sich in die Lage behinderter Menschen einfühlen zu können: Auf dem Sommerfest durften sich die Kinder in Rollstühle setzen und versuchen, damit einen Slalom-Parcours zu überwinden. Wie in den letzten drei Jahren war wieder der Darmstädter Drehorgelspieler Peter Suchantke in den Hof der Grundschule gekommen, um mit seinem altertümlichen Leierkasten spritzige Melodien wie "Azzurro" von Adriano Celentano oder den Jazz-Standard "On the sunny side of the street" zu kurbeln.

In seinem hölzernen Pfeifeninstrument verfügt Suchantke über ein riesiges Repertoire an Liedern, von Pop über Schlager bis Klassik. Alles gespeichert auf Mikrowalzen, die heutzutage mechatronisch durch das Kurbeln am Rad abgespielt werden. Vor vielen Jahrzehnten sei es Tradition gewesen, dass neben der Drehorgel ein kleiner dressierter Affe saß, der als Assistent mit Hut das Kleingeld der Passanten einsammelte. Umgangssprachlich nennt man die Drehorgel häufig Leierkasten. Daher rühre das Sprichwort "Immer dieselbe Leier" - wenn ständig dasselbe Lied gespielt wird.

 

Schulsong als Videoclip

Zwischendurch trug sich eine Uraufführung zu: In Zusammenarbeit mit der Popakademie, der Jugendförderung und der Abendakademie ist ein Videoclip zum Bertha-Hirsch-Schulsong entstanden, der beim Schulfest seine Premiere feierte. Über einen Mutmachsong verfügt die Bildungsstätte ebenfalls. Die Bertha-Hirsch-Grundschule ist eine von 13 lokalen MAUS-Schulen, was die Abkürzung für "Mannheimer Unterstützungssystem Schule" ist. Das 2008 gestartete und von der Stadt finanzierte Projekt ermöglicht der Käfertaler Grundschule 20 zusätzliche Kursstunden außerhalb des regulären Unterrichts. Damit sollen Schülerinnen und Schüler individuell in ihren Talenten gefördert werden, ob in Mathematik, Deutsch oder Theaterworkshops, an Nachmittagen, Wochenenden oder sogar in den Ferien. Michaela Theobald arbeitet als Ingenieurin für Umwelttechnik und ist MAUS-Kursleiterin an der Bertha-Hirsch-Grundschule. Auf dem Sommerfest führte er mit den Kindern naturwissenschaftliche Experimente durch.

Zum Beispiel durften die Mädchen und Buben mit Pipetten etwas Wasser auf grüne Weißkohlblätter träufeln. Auf der Blattoberfläche perlt das Wasser kugelförmig in Tropfen ab, was sich Lotus-Effekt nennt. Unter dem Fachbegriff "Bionik" hat sich die Textilindustrie diesen Effekt abgeschaut, um etwa auf diesem Prinzip beruhende schmutzabweisende Kleidung herzustellen.

Auf dieselbe spielerische Herangehensweise erlernen die Sprösslinge in der Experimente-AG der Bertha-Hirsch-Grundschule, die eine Kooperation mit dem Technoseum unterhält, beispielsweise die physikalischen Grundlagen der Elektrizität und die geologischen Vorgänge innerhalb eines brodelnden Vulkans.

© Mannheimer Morgen, Freitag, 03.07.2015